Als Kind habe ich mich jede Woche auf die Micky Maus gefreut. Zwar war ich nicht so privilegiert, sie als Abo per Post zu bekommen, aber über den Umweg Supermarkt schaffte sie es recht regelmäßig bis zu mir nach Hause. Dann ließ ich Schulaufgaben Schulaufgaben sein, das Essen auf dem Tisch wurde kalt und ich las mich durch die neusten Abenteuer von Micky, Donald und den Panzerknackern.
Die Hefte damals kosteten um die 2,50 DM. Die Lustigen Taschenbücher, also ein Buch voller Disney-Geschichten, bekam man für 6,50 DM. Die Preise haben sich seit damals leicht verändert. Die Hefte kosten heute 3,50 EUR, die Bücher 4,70 EUR. Das sind ordentliche Preiserhöhungen. Zumal, wenn man den Verfall der Qualität berücksichtigt. Wo die Geschichten in den Lustigen Taschenbüchern bezüglich Zeichnung und Handlung noch vergleichbar mit älteren Ausgaben sind, hat das Heft seinen Charme verloren.
Ausgabe 23 vom 2. Juni 2008 wirbt auf der Titelseite mit Michael Ballack. Davor die Ente Donald. Ebenfalls im Fußballtrikot. Ein kurzer Hinweis auf den Europameisterschafts-Teamcheck im Heft und schließlich das Super-Extra: ein Fußball-Game mit Super Sound und vielen Level. “Hau die Bälle rein und werde Torjäger.” Aus Agentenausweisen, Sammelkarten und Postern sind Computerspiele und Game-Boy-Verschnitte geworden. Aus Micky Maus wurde eine billige YPS-Kopie.
Schlägt man die ersten Seiten auf, so erfährt man, was einen in diesem Heft noch erwartet. Auf 68 Seiten finden sich sechs mehr oder weniger kurze Geschichten. Den Anfang machen Tick, Trick und Track auf der Suche nach dem Entenhausener Fußball-Idol Basti Steinschweiger (Wo ist Basti?). Der ist seit einem Eigentor spurlos verschwunden und alle hoffen, dass er zum Spiel in Klagenfurt rechtzeitig wieder auftaucht. Auch die Namen der anderen Personen in der Geschichte haben seltsame Ähnlichkeit mit deutschen Fußballpersönlichkeiten. Sportlehrer Breitler erinnert stark an Paul Breitner und Quälix Mackert soll wohl eine Anspielung auf Felix “Quälix” Magath sein.
Am Ende stellt sich heraus, dass Basti nur untergetaucht war, weil er seine stinkende Glückssocke verloren hatte. Tick, Trick und Track haben diese mittlerweile gefunden (”Die? Riecht eher nach Schweinsteiger.”) und so steht einer erfolgreichen Rückkehr auf den Fußballplatz nichts mehr im Wege.
Die Geschichte ist nicht nur ausgesprochen platt, sie bedient auch noch reihenweise Stereotype. Unfähige Polizei, quälende Sportlehrer und tratschende Sekretärinnen.
Es folgen eine Witzeseite (”Warum stinken Kühe?” “Weil sie den ganzen Tag mit dem Bauern zusammen sind!”), Werbung für das König-der-Löwen-Musical, ein Hinweis auf den Weltumwelttag und die Donald-Duck-Geschichte “Auf den Hund gekommen”. Hier soll Donald für seine Freundin Daisy auf ein paar Hunde aufpassen. Die stellen sich als aggressiver heraus als zuerst angenommen. Nach zahlreichen Schwierigkeiten erfährt Donald, dass sie mit einer Puppe im Matrosenanzug auf Verteidigung abgerichtet wurden. Er wechselt die Kleidung und wir haben ein Happy End.
Der Klassik-Comic aus dem Jahr 1932 mit Micky Maus und Pluto als Honigdieben ist der einzige Lichtblick in diesem Heft. Hier sind die Wortspiele noch charmant und die klassische Zeichenart wird gerne hingenommen.
Ein großes Spezial zur EURO 2008 bildet die achtseitige ?úberleitung zur Fortsetzungsgeschichte “Das Amulett des Frauequotl”. Fragwürdiger Höhepunkt: Micky Maus küsst fremd. Dr. Sommer ist auch bei Disney angekommen.
Auf Tippspiel, Spielrezensionen, Gewinnspiele und noch mehr König der Löwen folgt der Wunschcomic Goofy “Kleiner”. Leserbriefe, noch mehr Witze, ein Rätselcomic mit Auflösung im nächsten Heft, ein erster Blick auf die nächste Ausgabe und schließlich der Enten-Kurier beenden die dieswöchige Tortour.
Zugegeben. Bezahlt habe ich für diese Ausgabe nicht. Vielleicht liegt es daran. Vielleicht bin ich mittlerweile zu alt. Vielleicht gibt es noch andere Gründe. Aber in seiner derzeitigen Form ist das Micky-Maus-Heft genau das, als das es meine Mutter früher immer bezeichnet hat. “Schundliteratur” durfte ich mir jedesmal anhören, wenn ich mein Taschengeld wieder für spannende Geschichten aus Entenhausen und Umgebung ausgegeben hatte. Und so hat sie wohl recht behalten. Schade.




2 Comments
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Oh ja! Dieses “Gebt euer Taschengeld doch nicht immer für diese Schundheftchen aus!” durften wir uns auch in schöner Regelmäßigkeit anhören! Ja, damals…
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Ich habe damals (hm, ich werde alt…) noch mit großer Begeisterung das Fähnlein-Fieselschweif-Handbuch gesammelt. Eine Ausgabe mit “Einband und dann in jeder weiteren Karten zum Einheften. Lässt sich bestimmt noch irgendwo auf dem Dachboden finden.
Das in elektronischer Form wäre cool. Es gibt so viele zeitgemäße Sachen, die man aus Micky Maus machen könnte. Müssen die das denn unbedingt verhunzen…