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28 May

Und Superhelden weinen doch

Die Überschrift steht heute zuerst. Das passiert eher selten. Meist kommt der Text am Anfang, und die Überschrift ergibt sich beim Korrekturlesen. Heute einmal andersherum.

Zu Beginn ein wenig Hintergrundinformationen:
Ich wohne in einer Serien-WG. Drei Männer. 4 Zimmer, Bad und Küche. In einem Altbau, zweiter Stock und im Sommer unerträglich warm. Es passiert eher selten, dass wir uns zusammen einen Film ansehen. Zwar steht im Wohnzimmer ein Fernseher mit DVD-Spieler, der kommt aber meist bei Besuch, zu Fußballspielen oder während der Nachrichten Simpsons in den Genuss unserer vollständigen Aufmerksamkeit. Stattdessen sehen sich meine MitWGler und ich regelmäßig Serien an. Über Lost, Alias, Prison Break und Nip/Tuck bis hin zu Southpark, Friends und Two and a half Men – Serien haben den modernen Abendfilm abgelöst. Sie sind kürzer, besser einteilbar und dank Internet (iTunes, ABC und FOX sei Dank) ständig abrufbar. Außerdem machen sie sich als Sammlerbox sehr gut in jeder DVD-Sammlung.

Doch zurück zu den Superhelden. Spätestens seit den Schröders wissen wir: Frösche weinen nie. Auch große Mädchen, Machos und Engel weinen nicht. Zumindest wenn es nach den Titelgebern, Übersetzern und Filmemachern unserer Zeit geht. Und so selbstverständlich wie der Spruch einer Mutter zu ihrem verletzten Sohn (”Ein Indianer kennt keinen Schmerz!” aus dem später dann ein “Männer weinen nicht!” wird) war für mich auch immer, dass Superhelden nicht weinen. Nicht alleine wegen ihrer Vorbildfunktion. Vielmehr weil es physiologisch gar nicht möglich sein dürfte.

Nehmen wir Superman. Der Mann aus Stahl. Keine Explosion kann ihm etwas anhaben. Kein Feuer bringt ihn zum schmelzen und eine Schere zerbricht, beim Schneiden seiner Haare. Dieser Held, dessen Haut nie einen Kratzer bekommt, der schneller ist als das Licht, fängt auf einmal an zu weinen. Wegen einer Frau.

Superman, dem beim Fliegen nicht mal der Flugwind Tränen in die Augen treiben kann, weint. Echte Tränen. Wo kommen diese Tränen her?

Hat Superman seine Achillesferse zwischen den Augen? Oder haben die Smallville-Macher geschlampt? Hätte unser Superheld vielleicht gar nicht weinen dürfen?

Auch Spider-Man und Batman hatten in den letzten Filmen mit ihren Gefühlen zu kämpfen. Das Recht des Superhelden auf Gefühlsfreiheit scheint verloren gegangen zu sein.

Wie soll man den Kindern da noch glaubhaft erzählen, Männer würden nicht weinen und Indianer keinen Schmerz kennen?

One Comment

  1. 1 31. May 2008 at 16:33
    Permalink

    Hm.
    Gib’s zu, Du hast die zuletzt referenzierten Comics nie gelesen. Parkers Kampf mit seinem Privatleben und Wayne Psychosen sind in allen Werken ab ca. 1975 deutliches Thema.

    Mit Superman hast Du recht – aber das ist ja auch der Grund warum er langweilig ist und außer von Kids (als Einstiegsdroge) nicht gelesen wird.

    Für die Fortbildung empfehle ich Dir “Watchmen” – das haut Dir Deine Erwartungshaltung um die Ohren. ;-)

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