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24 May

Öfter mal abschalten

Ich sehe kaum noch fern. Warum? Vielleicht weil kein Fernseher in meinem Zimmer steht. Vielleicht auch, weil ich die Simpsons-Folgen mittlerweile mitsprechen kann. Ohne sie zu sehen. Wenn um kurz nach 18 Uhr im Wohnzimmer “The Simpsons” erklingt, weiß ich schon nach wenigen Sekunden, um welche Folge es geht. Es gibt Schlimmeres. Zum Beispiel lispelnde Nachrichten-moderatorinnen, Fremdschäm-Soaps a la “Brit”, “Raus aus den Schulden” und “Date my Mum”, “DSDS” oder “Germany’s Next Topmodel”. Nicht zu vergessen die grandiose Jagd von Jumbo nach der längsten Currywurst, dem größten Hamburger oder dem besten Wiener Schnitzel Deutschlands. Warum sollte man da noch den Fernseher anmachen?

Natürlich gibt es Tage, da freut man sich auch über Tierdokumentationen, Wirtschaftsberichte, Klassik-Mitschnitte oder Formel-1-Rennen. Die fallen aber meistens auf einen Sonntag und sind Nebenprodukte langer Samstage.

Mittlerweile entscheide ich nach Rezensionen in Zeitungen oder im Internet, ob ich mir eine Sendung nachträglich ansehe. Gestern zum Beispiel schrieb Spiegel Online über die letzte Schmidt-und-Pocher-Sendung. Am Anfang habe ich noch hin und wieder eingeschaltet, aber mit sinkendem Niveau sank auch meine Bereitschaft. Wenn ich nun jedoch lese, dass Schmidt seinen dilettantischen Partner immer häufiger auflaufen lässt und sich über ihn lustig macht, dann schaue ich doch mal wieder rein. Im Internet.

Ob ProSieben, Sat1 oder neuerdings auch die ?ñffentlich-Rechtlichen, ob Tagesschau, TV Total oder Galileo – viele Sendungen finden sich bereits kurz nach der Ausstrahlung zum Download oder per Stream im Internet. Programme wie Zattoo oder Joost verhelfen dem Fernsehen zu einer neuen Renaissance. Und der PC oder Laptop wird zum Multimedia-Spielzeug.

Allerdings ärgere ich mich dann doch über die Grenzen, die dem Fernsehempfang auf dem Rechner vor allem im Raum Göttingen gesetzt sind. Während eines Praktikums in Hamburg kaufte ich mir einen kleinen DVB-T-Empfänger für meinen Laptop. Über 20 Programme, inkl. ProSieben, Sat1, RTL und alle Öffentlich-Rechtlichen konnte ich damit empfangen. Seit meiner Rückkehr nach Göttingen liegt er nun in einer Schublade. DVB-T bedeutet hier nämlich noch Verzicht auf alles, was sich da Private schimpft.

Genug Aufregung für heute. Oliver Pocher versucht sich gerade an einer Oliver-Kahn-Parodie. Manchmal wünscht man sich, der gute Peter Lustig würde auftauchen. “Abschalten” würde er wohl sagen. Nicht immer. Aber immer öfter.

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