20 May

Messepeinlichkeiten

Am letzten Wochenende fand in der Göttinger Lokhalle bereits zum zweiten Mal die Entscheidermesse statt. Neben Führungskräften aus Unternehmen der Region war auch ich dabei. Als Mitarbeiter. Mit Funkgerät. In schwarzem Anzug mit unbequemen Schuhen.

Von Donnerstag Mittag bis Samstag Nacht reichten die Aufgaben von der Organisation und Durchführung der Akkreditierungsmaßnahmen über Sesselrücken und Foliesammeln bis hin zum Whiskey-Tester und Computer-Fachmann.
Hätte ich einen Schrittzähler gehabt, den Marathon hätte ich wohl geschafft. Aber ich will mich nicht beschweren. Im Vergleich zum letzten Jahr funktionierten viele Dinge diesmal besser.

Ein kleiner Vergleich:

2008
+ Vortrag Faktor Business Lounge: Mirko Slomka / Dauer: 60 Minuten
+ bessere Organisation insgesamt / am zweiten Tag kaum noch Funkverkehr nötig
+ keine 35 Grad Raumtemperatur
+ gutes Zusammenspiel von Organisationsteam und Lokhallen-Mitarbeitern
+ Do: Pizza, Fr: Buffet, Sa: Burger King

- ständig geöffnete Türen im Eingangsbereich / Akkreditierung ständig im Luftzug
- keine Freigetränke mehr
- Buffet der Faktor Business Lounge (FBL) OK / mit Wartezeiten
- FBL: ungemütliches Ambiente / kaum Stimmung

2007
+ weniger Arbeit für mich
+ Zug im Eingangsbereich angenehm / da 35 Grad Raumtemperatur
+ keine Tüten
+ Freigetränke
+ FBL: Mobiles Buffet / bessere Stimmung

- Vortrag Faktor Business Lounge: Moritz Hunzinger / Dauer: 4 Minuten
- Koordination und Organisation noch ausbaufähig
- unglaublich warm / Lüftung nicht vorhanden
- kaputte Druckmaschinen

?úber die Entscheidermesse gibt es kaum Negatives zu berichten. Die Durchführung war gelungen und das Organisationsteam so angenehm, wie man es sich nur wünschen kann. Einziges Manko: es wurden Unmengen an Müll produziert. So wurden zum Beispiel die Standteppiche mit Folien abgedeckt, die jedoch bereits beim Aufbau wieder entfernt wurden und so ihren eigentlichen Zweck (Teppiche vor Schmutz schützen) verfehlten. Außer, dass ein einsames Musketier sich dabei Knie und Rücken ruinierte, konnte so dem Umweltschutz ein Bärendienst erwiesen werden. Hier herrscht Nachholbedarf. Von überzähligen Flyern und Blanko-Besucherausweisen mit dem sinnvollen “2008″-Aufdruck ganz zu schweigen.

Eine kurzer Seitenhieb auf die am Freitag Abend veranstaltete Faktor Business Lounge muss an dieser Stelle erlaubt sein. Das Hochglanz-Magazin Faktor hatte bereits zum fünften Mal zum gemütlichen Miteinander der lokalen Wirtschaftsgrößen eingeladen. Unter dem Motto “Fußball” begrüßte der stellvertretende Geschäftsführer und Chefredakteur Marco Böhme seine Gäste mit einer Trillerpfeife. Nach einigen dankenden Worten an die Organisatoren von Messe und Business Lounge (gern geschehen!) ließ er es sich nicht nehmen, den Gastredner selbst anzukündigen.

Was nun folgte, war eine nicht enden wollende Aneinanderreihung von Peinlichkeiten. Mirko Slomka, wenige Tage zuvor als Trainer bei Schalke 04 beurlaubt, wäre ja eigentlich nicht erste Wahl der Veranstalter gewesen. Viel lieber hätte man einen Rainer Callmund, Ottmar Hitzfeld, Jürgen Klinsmann oder Franz Beckenbauer als Gastredner engagiert. Viel zu spät sei man sich dann jedoch darüber klar geworden, dass der letzte Bundesliga-Spieltag mit der Messe übereinfiel. Hier herrschte bereits betretenes Schweigen und die meisten Gäste blickten beschämt zu Boden. Auch wenn Marco Böhme ungeschickt um die eigentlich Botschaft herumschiffte (Mirko Slomka war die wirklich letzte Wahl des Faktor-Magazins), war das Boot eigentlich schon zweimal untergegangen.

Je später der Abend wurde, desto mehr wurde deutlich, dass die Stimmung des letzten Jahres die FBL dieses Mal nicht erreichen sollte. Spätestens als ein verzweifelter Anlauf genommen wurde, Besucher zum Spenden für das Palliativzentrum in Göttingen zu animieren drängen und mit ersteigerten Gänseliesel-Figuren zu “belohnen”, nahmen die ersten Gäste Reißaus. Zurecht.

Ein Wiedersehen wird es dann erst 2010 geben. Ohne Mirko Slomka. Und vielleicht auch ohne Peinlichkeiten. Zu wünschen wäre es.

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