30 Mar

Matchball Michael Stich

Seitdem Michael Stich und Boris Becker nicht mehr auf dem Tennisplatz von sich reden machen, ist es etwas ruhiger um die beiden größten deutschen (männlichen) Tennisspieler geworden.

Während Boris Becker in den letzten Jahren verstärkt Kapital aus seiner Popularität zu schlagen versucht hat (AOL, KönigPilsener etc.) und nicht zuletzt wegen seiner privaten Fehlschläge, so hat Michael Stich die Öffentlichkeit gemieden und sich u.a. der Arbeit an seiner Michael-Stich-Stiftung gewidmet.

Am Mittwoch wurde nun eine neue Kampagne der Öffentlichkeit präsentiert, die “HIV / AIDS wieder verstärkt in den Fokus der Aufmerksamkeit rücken” soll “und die Gesellschaft aufforder(t), sich zu informieren.”
In Zusammenarbeit mit der Agentur Jung von Matt / Alster GmbH wurde eine provokante – an frühere Benetton-Anzeigen erinnernde – Printkampagne erarbeitet, die von einem TV- und Kinospot begleitet wird.

Innovativ möchte ich die Aktion nicht nennen, auf den ersten Blick scheinen einige Bilder Werbung für einen neuen Pornofilm machen zu wollen. Erst bei genauerer Betrachtung erschließt sich dem Konsumenten die wahre Bedeutung der Anzeigen: “Zwischen Leben und Tod liegen nur 0,003 mm Latex” oder “Das Kinn von Opa. Die Augen von Papa. HIV von Mama” sind kurz und knackig formulierte Sätze, die ihre Aussagen zufriedenstellend transportieren. Wie viel Erfolg die Stiftung damit haben wird, muss sich jedoch erst noch zeigen.
Wer keine Raucherlungen und verfaulten Zähne auf Zigarettenpackungen sehen will, dem wird wohl auch diese – getreu dem Grundsatz “wer Aufmerksamkeit will, der muss provozieren” entstandene – HIV / AIDS-Kampagne sauer aufstoßen.


(Fotos: Michael Stich Stiftung)

Etwas erstaunt bin ich ja schon, dass der Werbeblogger noch gar nicht auf dieses Thema eingegangen ist. Ob man dort gemeinnützige Werbung vorsichtig behandelt? Umsonst wird Jung von Matt diese Anzeigen sicherlich nicht produziert haben…

UPDATE: Was mir gerade noch aufgefallen ist: im Video wird von 40 Millionen AIDS-Kranken gesprochen, auf der Anzeige sind es jedoch nur 38 Millionen.

UPDATE 2: Werbeblogger schreibt heute doch darüber und auf fontblog findet man die Kampagne durchaus gelungen – was nicht jeder so sieht.

One Comment

  1. 1
    ondamaris
    3. Jul 2007 at 10:42
    Permalink

    “hiv von der mama” (foto 1) – ist das nicht ein wenig billig? so als wäre mama alleine schuld daran, dass klein baby jetzt positiv ist? einfach mal so die schuld / verantwortung bei den frauen abladen, das ist mir zu billig.
    ähnlich funktionieren die meisten motive der kampagne – bei der, nebenbei, die stich-stiftung eher alte motive wieder ausgekramt zu haben schient
    mir scheint hier gehts mehr um vordergründige aufmerksamkeit (die dann auch noch gefährlicherweise alte vorurteile bedient) als darum, echte prävention zu machen …

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