18 Dec

“Das Leben des Borat”

Kritisiere Amerika, und die Welt liebt dich. Was Michael Moore mit seinen Dokumentarfilmen erfolgreich vormachte, hat mit Sacha Baron Cohens Film „Borat: Cultural Learnings of America for Make Benefit Glorious Nation of Kazakhstan“ einen neuen Höhepunkt erreicht.

Cohan, der sich im englischsprachigen Raum auch als Ali G großer Beliebtheit erfreut, spielt Borat Sagdiyev. Ein kasachischer Journalist, der im Auftrag seiner Regierung nach Amerika geschickt wird. Dort soll er einen Film über das „greates country in the world“, die „US and A“ drehen. Denn Kasachstan hat Probleme: „economic, social and jew“ – zu deutsch: “Wirtschaft, Gesellschaft und Juden.” Die Juden sind es denn auch, die im Film als Ursache allen Übels dargestellt werden. Ironisiert in Form von übergroßen Pappfiguren, werden sie durch kasachische Straßen getrieben oder als Schuldige für die 9/11-Flugzeugentführungen ausgemacht. Ob Cohan das darf ist Ermessens- und Geschmacksfrage. Als Jude steht es ihm frei, über sich selbst und seine Religion Witze zu machen. Was beim „Leben des Brian“ mit den Christen gut funktioniert, sollte hier jedoch anders bewertet werden. Wer Judenverfolgung und Terrorismus ironisiert, muss sich über die Tragweite seines Handelns im Klaren sein. Wenn das Publikum lacht, weil der Waffenverkäufer eine Neun-Millimeter-Pistole als beste Möglichkeit einen Juden umzubringen empfiehlt, dann stellt sich die Frage nach dem Warum. Warum lachen die Menschen? Weil Borat einen Juden umbringen möchte? Weil es tatsächlich einen Verkäufer gibt, der auf diese Frage eingeht? Oder lachen sie, weil Cohan die Rolle des Borats als redegewandter, tollpatschiger, kasachischer Mr.-Bean-Verschnitt ausgelegt hat?

Der Humor der Borat-Macher ist universell. Mal oberflächlich und obszön, mal vielschichtig, facettenreich und tiefgründig.

Cohan dringt in seinen Gesprächen mit Südstaaten-Aristokraten, Waffenverkäufern und Verbindungsstudenten in kulturelle und gesellschaftliche Tiefen vor. Es ist erschreckend, dass es keiner psychologischen und rhetorischen Spielchen bedarf, um dem Rodeo-Veranstalter Hasstiraden gegen Schwule und dem Autoverkäufer die Versicherung, dass der “Hummer” bei einem „Unfall“ mit einer Gruppe “Gypsies” unbeschädigt bliebe, zu entlocken. Genau in diesen Momenten hat der Film seine Höhepunkte. Es ist nicht Borat, der mit seiner ewig nervenden Art und seinen teilweise sehr drastischen und geschmacklosen Witzen dem Film seine Komik verleiht. Viel wichtiger sind die Kommentare der beteiligten Protagonisten. Da der Zuschauer nie weiß, ob die Szenen gestellt oder tatsächlich so geschehen sind, muss er unweigerlich vieles für amerikanische Realität halten. Beginnt er die Handlung jedoch zu hinterfragen, verliert der Film seinen Charme und seine Aussage. Das Amerikaner dumm sind, ist nichts Neues. Gesellschaftskritische Filme, Dokumentationen und Fernsehserien verkünden dies immer wieder Allen, die es noch nicht wissen. Borat wirft daher nicht den ersten Stein, und wahrscheinlich auch lange nicht den letzten.

Die 84-Minuten-Produktion aus dem Hause 20th Century Fox ist gleich zweierlei entlarvend. Einerseits bedient Cohan alle gängigen Vorurteile gegenüber Amerikanern. Er deckt jedoch gleichzeitig die fast schon arrogante Überheblichkeit der Menschen in allen anderen Ländern auf, in dem er sie darüber lachen lässt. Wer sich dessen bewusst ist, dem kann dieser Film Spaß machen. Homo-pornographische Elemente werden dem einen oder anderen vielleicht zu weit gehen. Ein Schmunzeln hier und da dürfte aber auch dem unglücklichsten Kritiker über das Gesicht huschen.

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