Langweilig, wie die Ausgabe des Göttinger Tageblatts vom 9. November, ist auch die Rezension derselben. Weiterlesen tut auch hier nicht weh – ist aber ebenso wenig nötig.
Der Zeitungsmantel beinhaltet hauptsächlich überregionale Inhalte, die von der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung (HAZ) zugeliefert werden. Nach Relevanz und Aufkommen kann die Göttinger Redaktion jedoch eigenständig Beiträge auslassen und durch eigene Inhalte ersetzen. Ein Beispiel hierfür ist der Aufmacher auf Seite 1 über Zwischenfälle beim Ausbau der Bundesstraße 27 in Friedland. Auch diverse Teaser auf der Titelseite verweisen auf regionale Nachrichten in den weiteren Büchern. Die Chancen im ersten Buch etwas falsch zu machen stehen also eher schlecht. So reihen sich doch hauptsächlich Mitteilungen von Presseagenturen aneinander und nur der Aufmacher lässt erahnen, was später noch folgen wird. Interessant wird es daher erst ab Seite 9, mit dem Beginn des Regionalteiles.
Dieser beginnt mit einer Aufreihung von Pressemitteilungen. Alleine vier Meldungen der Polizei über Diebstahl, Trunkenheit am Lenker und Steinwürfe werden „abgearbeitet“. Ein etwas ausführlicherer Beitrag über die Abschiebepolitik in Göttingen zeigt, dass die Redakteure zu mehr fähig sind. Es folgen die Korrektur begangener Fehler in einer älteren Ausgabe und ein halbseitiger Hinweis auf die Veranstaltung des Rollkunstlauf-Clubs Göttingen. Dieser wird am Adventswochenende das Weihnachtsmusical „Peter Pan“ präsentieren. Nein, aufführen. Präsentieren wird das Göttinger Tageblatt. Werbung in eigener Sache, die niemandem wirklich weh tut.
Eine fünfspaltige Reportage nimmt den Großteil der Seite 12 ein. Hier berichtet Katharina Klocke ausführlich über eine Wanderausstellung zum Thema „Ja, ich will! Heiraten – gestern und heute“. Neben fünf sehr großen begleitenden Bildern bleibt neben dem Impressum kaum noch Platz für weiteren Text.
Nach der (Kommunal-)Wahl ist vor der Wahl. So könnte der Titel der Seite 13 lauten. Räte konstituieren sich, Bürgermeister werden gewählt – wie gut, dass Werbung von C&A nicht Platz für mehr lässt. Es folgen weitere Meldungen aus der Region und die Weiterführung der Titelstory. Mit Nachrichten aus Niedersachsen geht Buch 2 zu Ende.
Was FAZ, SZ und all die anderen Zeitungen als Feuilleton bezeichnen, heißt beim Göttinger Tageblatt Magazin. Hier werden Kinofilme besprochen, auf Ausstellungen, Lesungen und Konzerte hingewiesen und das aktuelle Fernsehprogramm vorgestellt. Eine ganze Seite wird Leserbriefen gewidmet. Kommt so etwas in vielen Zeitungen oft zu kurz, kann darüber gestritten werden, ob eine komplette Seite hier nötig ist. Zumal im Internet auf Blogs, in Foren und in Newsgroups mittlerweile diverse Möglichkeiten bestehen, die eigene Meinung loszuwerden.
Zwei Seiten über Hochschule und Wissenschaft verdeutlichen, wie wichtig in einer Universitätsstadt wie Göttingen Studierende und Professoren als Zielgruppe sind. Kritische Worte sucht man daher auch vergebens. Vielmehr stehen Vortragsbesprechungen, Forschungsergebnisse und Veranstaltungstipps im Zentrum der Berichterstattung. Die Symbiose aus Hochschule und Monopolzeitung funktioniert in Göttingen perfekt.
Buch 4 beherbergt neben dem regionalen noch den überregionalen Sport. Familienanzeigen, Bekanntmachungen und zum dritten Mal das Kinoprogramm beenden schließlich diese Donnerstagsausgabe.
Otto, der Normalverbraucher kann mit diesem Exemplar wohl leben. Bei allen anderen steigt der Verdruss vermutlich proportional mit dem Voranschreiten durch die Bücher. Schade, wirklich schade.
